
Von links: Macey, Nordhaus, Geanakoplos, Shiller, Chevalier
Die Ansätze hätten unterschiedlicher nicht sein können: Prof. Shiller, bei dem ich die Vorlesung "Behavioral and Institutional Economics" besuche und der zur Krise Anfang September sein Buch "Subprime Solution"
veröffentlicht hat (hier eine interessante Rezension der FTD), sieht die Gründe in übersteigertem Enthusiasmus und Vertrauen in anhaltend steigende Häuserpreise, was Fehleinschätzungen und mangelnden Zweifel bei Fed, Fannie & Freddie, Investoren, Hausbesitzern und Rating Agenturen zu Folge hatte und die Blase erst ermöglichte. Ebenso wie "overconfidence" die Preise nach oben trieb, verbreitet sich nun die Angst wie ein Virus und beschleunigt und verschlimmert dadurch die Krise, die ein weltweites Phänomen geworden ist. Folglich geht es laut Shiller darum, kurzfristig durch Liquiditätsspritzen das Vertrauen in Finanzinstitutionen zu erhalten und langfristig durch handelbare Optionen für Hauseigentümer ein besseres Risikomanagement und Hedging gegen Preisverfall zu ermöglichen. Diese Innovationen nennt Shiller mit Blick auf die Great Depression den neuen New Deal.
Deutlich nüchterner betrachtet Prof. Geanakoplos die aktuellen Geschehnisse. Seine Theorie besagt, dass der Finanzsektor durch "leverage cycles" geht, d.h. je einfacher Käufer Geld leihen können, desto höher liegen die Preise. Senken schlechte Nachrichten wie der vermehrte Ausfall von Kreditzahlungen die Bereitschaft, Geld zu verleihen, sinken die Preise und Optimisten brauchen Liquidität um Kredite zu bedienen. Die Kreditkonditionen ziehen an und es kommt zu Insolvenzen, was Unsicherheit und Misstrauen im Markt weiter verschärft. Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, empfiehlt Geanakoplos direkte Leihgeschäfte der Fed mit Sicherheitsanforderungen (collateral) unterhalb der Marktraten, um höheren Leverage zu ermöglichen. Er befürwortet auch die aktuellen Finanzspritzen, hält es aber in seinem neuesten Paper für wichtiger, den Häusermarkt zu stabilisieren und Haubesitzern zu helfen, indem Anreize für Neuverhandlungen von Hypothekendarlehen gesetzt werden.
Prof. Nordhaus vertritt eine konservative Position und betont die Rolle der Zentralbank im Krisenmanagement. Er kritisiert wie Shiller die "get-rich-quick mentality" und markiert den Konkurs von Lehman Brothers als den entscheidenden Wendepunkt der Krise, da dieser einzige große Bankrott genau einer zu viel sein könnte. Nordhaus unterstreicht die Bedeutung des Banksektors und den Multiplikationseffekt, der von Bankkonkursen ausgeht. Er lobt zwar die Politik von Bernanke, der seiner Meinung nach im Gegensatz zu Greenspan in der Lage war, diese extremen Interventionen durchzuführen. Er hält auch Bush zugute, dass dieser als "decider decided not to decide" sondern das Krisenmanagement an Henry Paulson delegierte, der die notwendigen drastischen Maßnahmen anging. Trotz der ergriffenen Schritte von Fed und Regierung fordert Nordhaus weitere Zinssenkungen und sieht als nächsten Schritt aufgrund der "liquidity trap" fiskalpolitische Unterstützungsprogramme, allerdings nicht wie bisher in Infrastruktur, da hier die Wirkung erst nach Jahren einsetzt, sondern mit direkten Zahlungen an die Haushalte insbesondere des konsumfreudigen unteren Einkommensdrittels.
Bleibt abzuwarten, welche neuen Erkenntnisse die Wahl bringt und welche Schritte der zukünftige US-President kurz- und langfristig ergreifen wird. Prof. Shiller zumindest reiste bereits am Montag zur Rockefeller Foundation nach Washington D.C., um dort Beratern von Obama und McCain seine Reformvorschläge vorzustellen. Vieles wird wohl davon abhängen, ob es gelingt, die Hauspreise kurzfristig zu stabilisieren, denn es werden immer mehr Stimmen laut, die auf breite soziale Probleme der Krise hinweisen, wenn die Preise weiter fallen, da dann weitere Zahlungen aus- und Dominosteine umfallen werden. Nach der Rettung der Wall Street fordern viele nun Gerechtigkeit und Hilfe für "Main Street", was auch zum beliebten Motiv im Wahlkampf geworden ist.
1 Kommentar:
Da kann man nur einen LInk zu setzen
http://www.zdf.de/ZDFmediathek/content/614478
Viel Spaß
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