Allgemein sagt man Ökonomen ja nach, dass sie sich in ihrer eigenen (Modell-)Welt bewegen, die mit der Realität nicht immer besonders viel gemeinsam hat. Der Vortrag beim Micro-Lunch heute ist ein gutes Gegenbeispiel für dieses gängige Vorurteil, denn es ging um ein Modell, das Glücksspiel im Casino erklärt (A Model of Casino Gambling).
Der Autor, Yale-Professor Nicholas Barberis, ist einer der besten Forscher weltweit auf dem Gebiet "Behavioral Finance", das es sich zur Aufgabe gemacht hat zu erklären, warum sich Menschen auf Finanzmärkten so verhalten wie sie es tun und damit oft gegen die Regeln der Ökonomie, wie sie sich verhalten sollten, verstoßen.
So setzte sich Barberis in seinem Vortrag also zum Ziel zu erklären, warum Menschen ins Casino gehen, obwohl ein Wetteinsatz dort immer einen negativen Erwartungswert hat, d.h. am Ende gewinnt immer die Bank. Aufbauend auf der "Prospect Theory" gab es einige interessante Einsichten, inwiefern sich intelligente Individuen von Naivlingen unterscheiden, nämlich dass sie sich darüber im Klaren sind, dass sich ihre Präferenzen während des Casinoaufenthalts ändern, was zu unerwünschten Ergebnissen führt: Man kann das Casino mit noch so guten Vorsätzen betreten, sofort aufzuhören, sobald man verliert, tatsächlich kommt einem dann in der Situation der weitere Verlust eher gering vor und man versucht weiter die Verluste wieder hereinzuholen. Umgekehrt hört man zu schnell auf, falls man gewinnt. Diese Situation ist vergleichbar mit Aktienhandel, wo viele Anleger Verluste viel zu spät realisieren und bei Gewinnen umgekehrt aber zu schnell verkaufen. [Prospect Theory erklärt diese "time inconsistency" dadurch, dass die Wahrscheinlichkeit eines hohen Gewinns zu Beginn klein ist, dadurch überbewertet wird und verlockend klingt. Im Verlauf des Spiels wird die Wahrscheinlichkeit dann größer und somit gemäß der value function unterbewertet. Deshalb riskiert man dann auch eher noch einen Verlust, weil auch dessen Wahrscheinlichkeit zu gering kalkuliert wird.]
Um dieses Dilemma zu verhindern, müssen Regeln eingeführt werden, damit sich die Glücksspieler selbst disziplinieren, beispielsweise indem man von vornherein nicht viel Geld mit ins Casino nimmt oder wie Barberis meinte, indem man "die Kreditkarte zu Hause lässt". Ein anderer Vorschlag aus dem Plenum kam auch gut an, nämlich einfach die Ehefrau mit ins Casino zu nehmen, die würde dann schon dafür sorgen, dass man nicht das ganze Hab und Gut verzockt.
Wie man sieht, kümmern sich die Wirtschaftswissenschaften durchaus auch um die alltäglichen Sorgen des kleinen Mannes!
Economics Teaching Conference
vor 2 Wochen
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