Studenten tauchen plötzlich singend in der Dining Hall auf, joggen in 80er Jahre Outfits um das Sportzentrum, tragen Clownskostüme oder laufen maskiert und in langen schwarzen Gewändern auf dem Campusgelände herum.
Es ist "Tap Week", das jährliche Ritual der secret societies, deren ältestes und prominentestes Beispiel wohl "Skull and Bones" ist, da hier sogar George W. Bush und viele andere Prominente Mitglieder sind. Diese traditionsreichen Clubs werden auch "tomb societies" genannt, weil ihre Gebäude fensterlos sind und an einen ägyptischen Grabtempel erinnern. In Yale soll es mindestens sieben dieser Vereinigungen geben und zusätzlich noch einige weniger formelle Clubs neueren Datums.
In der Tap Week wählt nun jeder Geheimbund neue Mitglieder aus und dies geschieht über einen langwierigen Bewerbungsprozess, zu dem neben Interviews auch Mutproben jeglicher Art gehören.
Die Auserwählten werden dann in feierlichen Zeremonien vereidigt und in die Gesellschaft aufgenommen.
Gerade durfte ich von meinem Fenster aus eine dieser Prozeduren miterleben. Die Mitglieder der Society waren alle in langen roten Gewändern und trugen goldene Masken, um ihre Identität zu schützen. Die Bewerber trugen alle Augenbinden. Die Szene war nur durch wenige Kerzen erleuchtet und verbreitete dadurch eine sehr geheimnisvolle Atmosphäre.
Von einem Balkon des gegenüberliegenden Hauses sprach ein Mitglied zur Menge, der sich als "Mighty Phoenix" verkleidet hatte, ein Symbol dieses Clubs, das jährlich heraufbeschworen wird. Nach der Verlesung einiger traditionsreicher Verse mussten die Neulinge den ihnen vorgesprochenen Eid der Society schwören und banden sich so auf Lebenszeit an ihren Geheimbund. Dabei waren sie alle Hand in Hand in einer Reihe aufgestellt, um das Gruppengefühl zu stärken.

Zum Abschluss wurde mit den nun offiziellen neuen Mitgliedern angestoßen und diese mussten dann als nächste Aufgabe eine große Schüssel mit einer fragwürdigen Bowle leertrinken.
Für die Neuen stehen unzählige weitere Aufgaben auf dem Programm und so darf man gespannt sein, was für schräge Gestalten morgen wieder auf dem Campusgelände gesichtet werden.
2 Kommentare:
Die spinnen, die Amis! ;)
gruuuuuselig...
...schön brav beim Zugucken bleiben, Benni, sonst musst Du noch von Brücken springen oder so...
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